Der Präsident der Universität Bayreuth, Rüdiger Bormann, sieht Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auch nach Erscheinen von dessen Buch "Vorerst gescheitert" nicht moralisch rehabilitiert. "Mein Problem mit ihm ist nach wie vor, dass ich ihm nicht vertraue", sagte Bormann in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Guttenberg streite den Täuschungsversuch beim Verfassen seiner Doktorarbeit weiter ab. So lange es dazu kein Eingeständnis gebe, könne er sich Vertrauen in Aktivitäten Guttenbergs "jeglicher Art" nicht vorstellen, sagte Bormann mit Blick auf eine mögliche Rückkehr des zurückgetretenen Ministers in die Politik.


Der Uni-Präsident wies zugleich Vorwürfe zurück, die zur Untersuchung der Affäre eingesetzte Kommission habe Rücksicht auf den Ruf der Alma Mater genommen. Der mit der Klärung des Plagiatsfalles betrauten Kommission habe hochrangige "externe Expertise" angehört. Diese sei bestellt worden, um dem Vorwurf der Befangenheit und Parteinahme vorzubeugen.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion Thomas Oppermann machte im Verlauf der Sendung die Regierungskoalition für die anhaltende Popularität Karl-Theodor zu Guttenbergs verantwortlich. Wenn es eine Sehnsucht nach der Rückkehr des CSU-Mannes auf die politische Bühne gebe, habe diese "auch damit zu tun, dass wir im Augenblick eine Regierung haben, die eine unglaublich schlechte Vorstellung liefert", so Oppermann. Vor diesem Hintergrund entstehe bei den Menschen das Verlangen nach einem "Hoffnungsträger".
Skeptisch zeigte sich Oppermann, ob der über eine Plagiatsaffäre gestürzte CSU-Minister in seiner politischen Heimat erneut eine gewichtige Rolle spielen könnte. "Ich bin mal gespannt, ob die CSU den Kakao, durch den Guttenberg sie jetzt gezogen hat, dann auch noch selber austrinkt", sagte der SPD-Politiker. Allerdings habe Guttenberg die Lage der Partei in seinem soeben erschienenen Buch "gar nicht so falsch beschrieben". Guttenberg hatte der CSU unter anderem vorgeworfen, "romantische Rückschau" auf bessere Zeiten zu halten und "Spinnweben" angesetzt zu haben.

Diese Kritik Guttenbergs bezeichnet CSU-Urgestein Wilfried Scharnagl als "Zwischenruf aus Absurdistan", es wäre besser gewesen dieses Buch nicht zu schreiben. Dennoch glaube er dem Ex-Minister seine Begründung für die Fehler in seiner Doktorarbeit. Er könne sich vorstellen, dass Guttenberg seiner Selbstüberschätzung zum Opfer gefallen sei. Da das C in CSU für christliche Werte stehe und dazu auch das Verzeihen gehöre und er noch auch "Einsicht" bei Guttenberg hoffe, stünden diesem, seiner Meinung nach, die Türen der Partei immer noch offen, so Scharnagl.

PR-Managerin Alexandra von Rehling schätzte zwar den Comeback-Termin Guttenbergs als zu früh ein, wollte aber nicht ausschließen, dass der Politiker dafür einen "guten Grund" habe, der sich erst später erschließen werde. Grundsätzlich begrüßte sie seine Rückkehr. Guttenbergs emotionale Triebfeder mache sein Charisma aus. Der Ex-Minister und seine Familie seinen die letzten Wochen in Deutschland durchs "Fegefeuer" gegangen, dies habe ihn zu tiefst verletzt.. Sein Buch sein nun sein emotionaler Versuch sich zu rehabilitieren.

Kein gutes Haar wollte der Journalist Hajo Schumacher am Comeback Guttenbergs lassen. Nur "das Öl aus den Haaren zu kärchern" und die "Schweinchen Schlau-Brille" abzunehmen, dies sei "so billig". Die "Inszenierungskundigen" fühlten sich dabei auf den Arm genommen. Guttenbergs Rundum-Kritik führe nun dazu, dass dieser sich selbst vom "Platz" gestellt habe. "So stark ist er nicht, dass er jetzt allein den Atlantik teilt und trockenen Fußes zurück kommt", kommentierte Schumacher. Die CSU könne, so Schumacher weiter, allerdings auf einen wie Guttenberg nicht verzichten.