Für die bessere Besoldung von Hauptschullehrern hat sich der nordrhein-westfälische Familienminister Armin Laschet (CDU) ausgesprochen. Hauptschullehrer, die "in der 5., 6. und 7. Klasse Potenziale von Kindern" erkennen, dürften in der Besoldung "nicht hinter Gymnasiallehrern zurückstehen", sagte Laschet in der ZDF-Sendung "Maybrit ILLNER" zum Thema "Eltern in PISA-Panik: Gute Bildung nur noch für Reiche".

Nachdrücklich sprach sich Laschet dafür aus, dass Eltern frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder auf eine private oder eine staatliche Schule schicken. Die Bundesländer seien jedoch in der Pflicht, ein für alle Kinder durchlässiges Schulsystem zu organisieren. Ein Hauptschüler mit guten Noten müsse problemlos zur Realschule wechseln können, der mögliche Wechsel solle "Jahr für Jahr überprüft" werden. Die Lehrer bräuchten "einen Potenzialblick" für jeden ihrer Schüler.

Mehr Anerkennung für den Hauptschulbildungsgang forderte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Niemand dürfe die Hauptschule als "Restschule" bezeichnen. Das derzeitige deutsche Schulsystem biete entgegen aller Kritik "eine ausgeprägte vertikale Durchlässigkeit". Rund 50 Prozent der Studierberechtigten kämen "nicht über das Gymnasium". Chancen gebe es für jeden, sie müssten aber auch wahrgenommen werden. "Der Staat hat eine Bringschuld, aber es gibt auch eine Holschuld bei den Familien", so Kraus.

Fachoberschüler Emre Ulukök zweifelt diese gute Durchlässigkeit an. Ihm selbst blieb der Weg zur Realschule verwehrt, trotz guter Noten. Auch für einen Ausbildungsplatz hatte sein Abschluss nicht gereicht, obwohl er einer der Schulbesten war. "Egal wie gut man an der Hauptschule ist, man kommt nicht in die Realschule rein", berichtete er. Nur durch Beharrlichkeit gelang es ihm auf der Hauptschule die Fachoberschulreife zu erlangen. Eine Ausnahme, wie der Schüler berichtete. Seine Erfahrung sei, dass Hauptschüler "in der Gesellschaft nicht anerkannt werden".

Schulreformerin Enja Riegel bestätigte dann auch dem dreigliedrigen Schulsystem das baldige Ende: "Die Hauptschule ist ein Auslaufmodell." An der von ihr gegründeten privaten Gesamtschule zum Beispiel, wären Uluköks Talente sicherlich besser erkannt und früher gefördert worden, war sie sich sicher. Riegel musste allerdings einräumen, dass auch sie auf zahlungskräftige Eltern angewiesen sei, um die Schule rentabel zu machen. Ihrer Meinung nach sei es kein Skandal, dass es in Deutschland immer mehr Privatschulen gebe. Der Skandal sein, dass die staatliche Schulen so schlecht seien. Die Schulreformerin forderte mehr Gestaltungsfreiheit für öffentliche Bildungseinrichtungen. Es müsse den Leitern dort zum Beispiel auch möglich sein, selbst zu wählen, welche Lehrer an ihren Häusern unterrichteten und wie die Mittel eingesetzt werden sollten, forderte Riegel.

Den Weg auf eine britische Privatschule ermöglicht die Schauspielerin Sabine Postel ihrem Sohn. Dieser habe sich die Ausbildung dort gewünscht und zeige nun endlich wieder Freude und Erfolge. Sie selbst habe in den "sauren Apfel" nur auf seinen Wunsch hin gebissen und verzichtet nun auch auf gewisse Statussymbole. "Ich fahre einen Wagen, der ist genauso alt wie mein Sohn", sagte sie. Aber als Elternteil müsse man sich überlegen, was wichtiger sei. Postel zeigte Verständnis für Eltern, die sich quasi auf der Flucht vor den schlechten öffentlichen Schulen auf die Suche nach privaten Möglichkeiten machten. Doch grundsätzlich dürfte dies nicht der Weg der Zukunft werden. Es müsste vielmehr dafür gesorgt werden, dass die staatlichen Schulen flächendeckend besser werden.