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09. Februar 2010
 

Maybrit Illner

 
donnerstags, 22.15 Uhr
Rückblick: Maybrit Illner vom 08.10.2009
Hand, die mit Kreide auf eine Tafel schreibt. Quelle: imago
Arme Schüler, dumme Schüler?

Eltern in PISA-Panik

Gute Bildung nur noch für Reiche?

Für die bessere Besoldung von Hauptschullehrern hat sich der nordrhein-westfälische Familienminister Armin Laschet (CDU) ausgesprochen. Hauptschullehrer, die "in der 5., 6. und 7. Klasse Potenziale von Kindern" erkennen, dürften in der Besoldung "nicht hinter Gymnasiallehrern zurückstehen", sagte Laschet in der ZDF-Sendung "Maybrit ILLNER" zum Thema "Eltern in PISA-Panik: Gute Bildung nur noch für Reiche".

 
 
 
Armin Laschet. Quelle: ZDF
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Armin Laschet

Nachdrücklich sprach sich Laschet dafür aus, dass Eltern frei entscheiden können, ob sie ihre Kinder auf eine private oder eine staatliche Schule schicken. Die Bundesländer seien jedoch in der Pflicht, ein für alle Kinder durchlässiges Schulsystem zu organisieren. Ein Hauptschüler mit guten Noten müsse problemlos zur Realschule wechseln können, der mögliche Wechsel solle "Jahr für Jahr überprüft" werden. Die Lehrer bräuchten "einen Potenzialblick" für jeden ihrer Schüler.

Josef Kraus. Quelle: ZDF
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Josef Kraus

"Hauptschule ist keine Restschule"

Mehr Anerkennung für den Hauptschulbildungsgang forderte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus. Niemand dürfe die Hauptschule als "Restschule" bezeichnen. Das derzeitige deutsche Schulsystem biete entgegen aller Kritik "eine ausgeprägte vertikale Durchlässigkeit". Rund 50 Prozent der Studierberechtigten kämen "nicht über das Gymnasium". Chancen gebe es für jeden, sie müssten aber auch wahrgenommen werden. "Der Staat hat eine Bringschuld, aber es gibt auch eine Holschuld bei den Familien", so Kraus.

Emre Ulukök. Quelle: ZDF
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Emre Ulukök

Fachoberschüler Emre Ulukök zweifelt diese gute Durchlässigkeit an. Ihm selbst blieb der Weg zur Realschule verwehrt, trotz guter Noten. Auch für einen Ausbildungsplatz hatte sein Abschluss nicht gereicht, obwohl er einer der Schulbesten war. "Egal wie gut man an der Hauptschule ist, man kommt nicht in die Realschule rein", berichtete er. Nur durch Beharrlichkeit gelang es ihm auf der Hauptschule die Fachoberschulreife zu erlangen. Eine Ausnahme, wie der Schüler berichtete. Seine Erfahrung sei, dass Hauptschüler "in der Gesellschaft nicht anerkannt werden".

Enja Riegel. Quelle: ZDF
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Enja Riegel

"Mehr Gestaltungsfreiräume"

Schulreformerin Enja Riegel bestätigte dann auch dem dreigliedrigen Schulsystem das baldige Ende: "Die Hauptschule ist ein Auslaufmodell." An der von ihr gegründeten privaten Gesamtschule zum Beispiel, wären Uluköks Talente sicherlich besser erkannt und früher gefördert worden, war sie sich sicher. Riegel musste allerdings einräumen, dass auch sie auf zahlungskräftige Eltern angewiesen sei, um die Schule rentabel zu machen. Ihrer Meinung nach sei es kein Skandal, dass es in Deutschland immer mehr Privatschulen gebe. Der Skandal sein, dass die staatliche Schulen so schlecht seien. Die Schulreformerin forderte mehr Gestaltungsfreiheit für öffentliche Bildungseinrichtungen. Es müsse den Leitern dort zum Beispiel auch möglich sein, selbst zu wählen, welche Lehrer an ihren Häusern unterrichteten und wie die Mittel eingesetzt werden sollten, forderte Riegel.

Sabine Postel. Quelle: ZDF
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Sabine Postel

Den Weg auf eine britische Privatschule ermöglicht die Schauspielerin Sabine Postel ihrem Sohn. Dieser habe sich die Ausbildung dort gewünscht und zeige nun endlich wieder Freude und Erfolge. Sie selbst habe in den "sauren Apfel" nur auf seinen Wunsch hin gebissen und verzichtet nun auch auf gewisse Statussymbole. "Ich fahre einen Wagen, der ist genauso alt wie mein Sohn", sagte sie. Aber als Elternteil müsse man sich überlegen, was wichtiger sei. Postel zeigte Verständnis für Eltern, die sich quasi auf der Flucht vor den schlechten öffentlichen Schulen auf die Suche nach privaten Möglichkeiten machten. Doch grundsätzlich dürfte dies nicht der Weg der Zukunft werden. Es müsste vielmehr dafür gesorgt werden, dass die staatlichen Schulen flächendeckend besser werden.

Infobox

Die Gäste:

  • Armin Laschet (CDU), Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands
  • Enja Riegel, Schulreformerin, ehemalige Schulleiterin der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die mit dem "Deutschen Schulpreis" ausgezeichnet wurde
  • Emre Ulukök, 16 Jahre alt, ehemaliger Hauptschüler, der in diesem Jahr auf die Fachoberschule wechselte
  • Sabine Postel, Schauspielerin, ihr Sohn ist auf einer britischen Privatschule
  • Heinz Buschkowsky, Bezirksbürgermeister Berlin-Neukölln

    mehr Infos zu den Gästen
 
 

Sendungsinformationen

Donnerstag, 08.10.2009 22:20 - 23:25 Uhr

VPS 08.10.2009 22:15

Länge: 65 min

Talkshow, Deutschland, 2009

  • 16 zu 9
  • Chat
  • Livestream

Wdh. am 08.10.2009 03:40 Uhr Nachtprogramm
VPS 09.10.2009 03:30