Maybrit Illner diskutiert unter anderem mit dem ehemaligen CSU-Parteivorsitzendem Erwin Huber, dem Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und dem SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi.

Der frühere CSU-Vorsitzende Erwin Huber zeigte sich überzeugt, dass Guttenberg wieder eine wichtige Rolle in der Politik spielen wird. Guttenberg sei "nicht endgültig von der politischen Bühne abgetreten, von dem werden wir noch viel hören", sagt Huber. In der Zeit nach CSU-Chef Seehofer werde Guttenberg "sicherlich in Spitzenpositionen sein". "Die CSU hat all ihre Zukunftshoffnungen in den Karl-Theodor hineinkonzentriert." Umso größer sei nun der Schmerz.

Der Grünen Fraktionschef Jürgen Trittin spricht von einer "Riesenblamage" für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie habe bis zuletzt geglaubt, "sich durch diese peinliche Affäre lavieren zu können". Trittin ist sich sicher: "Die Verniedlichung des Diebstahls geistigen Eigentums hat auch zu einem Aufschrei im Kern der CDU geführt, dort, wo Respekt und Anstand noch gültige Werte sind." Der Grünen-Fraktionschef sieht in der Kabinettsumbildung eine konfuse Reaktion einer düpierten Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "In ihrer Verzweiflung sucht sie sich einen Innenminister, der in der Affäre Guttenberg ein gestörtes Verhältnis zu rechtsstaatlichen Normen offenbart hat", sagte Trittin der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Klaus von Dohnanyi (SPD), ehemaliger Erster Bürgermeister von Hamburg, kritisiert: "Guttenberg hätte sofort nach Bekanntwerden des Skandals zurücktreten müssen. Da ist er katastrophal schlecht beraten worden. Normalerweise setzt man sich in einer solchen Situation mit engsten Vertrauten zusammen und überlegt, wie es weiter gehen kann. Aber dieses scheibchenweise Zugeben der Wahrheit, das war der schlechteste Weg von allen." Der SPD-Politiker ist sich aber auch sicher: "Guttenberg ist ein talentierter Politiker und er wird wiederkommen."

Die Chefredakteurin der taz Ines Pohl analysiert: "Das Festhalten Angela Merkels an Karl-Theodor zu Guttenberg sogar über seinen Rücktritt hinaus belegt, wie zynisch die Bundeskanzlerin als Machtpolitikerin inzwischen agiert." Pohl kommentiert: "Angela Merkel hat aus purer Machtpolitik versucht, die unheimlichen Beliebtheitswerte des jungen, schneidigen Bayern für sich zu nutzen. Damit schadet die Kanzlerin nicht nur sich selbst. Letztlich wurde die gesamte CDU in den vergangenen drei Wochen in ihren Grundfesten erschüttert."

Der Journalist Hajo Schumacher stellt fest: "Der Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg befördert das Ansehen der Politik. Denn er zeigt: Die Demokratie in Deutschland funktioniert." Schumacher analysiert: "Karl-Theodor zu Guttenberg hat einen Fehler begangen, kein Kapitalverbrechen. Wenn er tatsächlich über die Qualitäten verfügt, die ihm nachgesagt werden, wird er gestärkt in die Politik zurückkehren."