Hauptschulen stehen in der Kritik: Sie schaffen es kaum noch, praktisch begabte Jugendliche für einen Job oder eine Ausbildung zu qualifizieren. Abschaffung und Zusammenlegung mit Real- und Gesamtschule - immer mehr Bundesländer entscheiden sich für diesen Weg.
Die Probleme der Hauptschulen in Deutschland sind vielfältig: Generell abnehmende Schülerzahlen durch die nachrückenden geburtenschwachen Jahrgänge sorgen vor allem dort für zurückgehende Anmeldungen. Bundesweit ist die Zahl der Hauptschüler seit dem Jahr 2000 um etwa 20 Prozent gesunken. Außerdem hat die Hauptschule einen schlechten Ruf, der Qualifikationsdruck nimmt zu. All das sorgt dafür, dass Real- und Gesamtschulen von Kindern und Eltern bevorzugt werden.
Leistungsstarke Hauptschulen, auf denen Schüler so leistungsfähig wie auf einer Realschule sind, findet man in nennenswertem Umfang nur noch in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz wie auch in ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens. In diesen Gegenden hält sich die Hauptschule als eigenständige Schulform noch am besten. Im restlichen Bundesgebiet gilt: Nur wer nicht anders kann, schickt sein Kind auf eine Hauptschule.
Darum haben zahlreiche Bundesländer Konzepte entwickelt, die die Hauptschule als eigenständige Schulform auflösen. Rheinland-Pfalz setzt auf das Konzept "Realschule plus", als zweite Schiene neben dem Gymnasium. Nordrhein-Westfalen erlaubt "Verbundschulen", in denen sich Hauptschulen mit Real- oder Gesamtschulen zusammenschließen können. Selbst in Bayern wurden erste Modellversuche gestartet, in denen Kooperationen zwischen Haupt- und Realschule getestet werden.
Das Saarland sowie alle neuen Bundesländer außer Berlin haben die Hauptschule ganz abgeschafft oder gar nicht erst eingeführt. Hamburg und Schleswig-Holstein haben ihre Schließung bereits beschlossen. In allen diesen Ländern kann jedoch der Hauptschulabschluss auf einer Realschule erworben werden. Lediglich Hessen und Niedersachsen haben an der Form der Hauptschule bislang nichts geändert.
Ein großes Problem bleibt: 80.000 Jugendliche verlassen die Schule ohne jeden Abschluss, nicht einmal die Hauptschule können sie qualifiziert absolvieren. Diese Jugendlichen haben kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz, und die Zahl der Jobs für Ungelernte nimmt seit Jahrzehnten beständig ab. Die Zahl der Schüler ohne Abschluss zu senken, müsste eine der wichtigsten Aufgaben der Bildungspolitik sein. Ob die Abschaffung der Hauptschule allein dazu beitragen kann, ist mehr als fraglich.
Eine Reportage von Christian Wilk
Sendetermin: Donnerstag, 8. Oktober 2009, 21 Uhr, bei ZDF.reporter