ZDF - Das Thema: Kampf der Kulturen oder Bunte Republik Deutschland?
Maybrit Illner
Kampf der Kulturen? Sarrazins Spiel mit der Ausländerangst ...
Retter oder Rassist? Thilo Sarrazin (SPD), der Bundesbanker und frühere Berliner Finanzsenator, reitet in diesen Tagen als umstrittener Held durch den Blätterwald und über alle Medienwellen. Ist er wirklich der mutige Tabubrecher? Oder bloß ein genialer Vermarkter seines neuen Buches?
Bei "Maybrit ILLNER" soll es am kommenden Donnerstag weniger um die Person des polarisierenden Populisten gehen als um seine Thesen: Stimmt es denn, dass wir Deutschen dümmer werden?; Dass wir aussterben?; Und sind daran wirklich vor allem die Muslime schuld?; Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen - oder wird da nur eine frisch angestrichene medienpolitische Sau durchs Dorf gejagt?
Der Schweizer Publizist Roger Köppel und sein deutscher Kollege Henryk M. Broder haben schon seit Jahren ähnliche Gedanken geäußert wie Sarrazin. Er sei " völlig auf der Seite des Stammtisches und des 'dummen' Volkes und nicht der klugen Eliten", sagt Broder. Denn "die Leute ahnen, dass was schief geht. Sie können sich vielleicht nicht so gut ausdrücken wie Thilo Sarrazin. Aber es sind Ängste, die Politiker ernst nehmen sollten."
Grünen-Chef Cem Özdemir hält Sarrazin hingegen für einen Stammeskrieger, wie ihn sich Bin Laden nur wünschen kann. Naika Foroutan, die Berliner Politologin, sagt auf der Basis ihrer Forschungen: "Bei der Migration ist bei Deutschen das Bauchgefühl stärker als die Faktenlage. Die Integration ist schon sehr viel weiter fortgeschritten, als Sarrazin uns glauben machen will". Foroutan ist in Deutschland geboren, ihr Vater Iraner. Der Journalist Bernd Ulrich, der Sarrazin vor kurzem für die ZEIT interviewt hat, sieht das ähnlich: "Zwischen den Fronten dieser Debatte wird auch die wahre, die Erfolgsstory der Integration zerrieben. Dieses Land hat eine ermutigende Geschichte der Verwandlung von Fremdheit in Heimat. Sarrazin vergiftet den Brunnen, aus dem wir alle trinken!"
Gäste: Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen), Parteivorsitzender Henryk M. Broder, Publizist und Autor u.a. "Früher war alles besser: Ein rücksichtsloser Rückblick" Naika Foroutan, Politologin. Ihr Vater kommt aus dem Iran. Sie lehrt und forscht an der Humboldt-Universität zu Berlin, unter anderem über europäisch-muslimische Identitätsmodelle. Bernd Ulrich, Stellv. Chefredakteur "Die ZEIT" und Autor Roger Köppel, Schweizer Journalist, Chefredakteur und Verleger des Wochenmagazins "Die Weltwoche"