Maybrit Illner
Neue Strategie, altes Problem: Wie kommen wir raus aus Afghanistan?
Acht Jahre lang wird die deutsche Sicherheit nun schon am Hindukusch verteidigt, so wie der damalige Verteidigungsminister Peter Struck das im Namen der rot-grünen Regierung versprochen hatte. Der Bundestag hat dieses kriegerische Engagement immer wieder mit überwältigender Mehrheit unterstützt, doch den Bundesbürgern leuchtet das schon lange nicht mehr ein.
Die meisten finden, wir sollten uns so schnell wie möglich zurückziehen. Und auch in den Führungsetagen der Bundespolitik hat sich die Einsicht durchgesetzt: Der bisherige Militäreinsatz ist praktisch gescheitert. Andererseits belegen jüngste Meinungsumfragen in Afghanistan, dass 70 Prozent der Bevölkerung glauben, es gehe aufwärts, ihre Lage habe sich in den letzten Jahren spürbar verbessert.
An diesem Donnerstag beraten in London mehr als 60 Staaten darüber, wie man aus dem Krieg am Hindukusch doch noch einen Erfolg machen kann. Die Bundesregierung tritt dabei mit einem neuen Konzept an, das vielen Interessen zugleich gerecht zu werden versucht: Sie will mehr Geld investieren und mehr Soldaten schicken - ein Signal, auf das die Verbündeten warten. Sie redet im Gegenzug aber auch von verbindlichen Rückzugsdaten - das soll die Bevölkerung beruhigen. Und sie will die Entwicklungshilfe vergrößern - auf dass mehr vom humanitären als vom militärischen Einsatz der Deutschen geredet werde...
"Wir verdoppeln die Mittel für die Entwicklung Afghanistans in den kommenden vier Jahren auf eine Milliarde Euro", hat Dirk Niebel angekündigt, der neue Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Zugleich fordert er eine "verstärkte Zusammenarbeit von Bundeswehr und Hilfsorganisationen". Eine Idee, die bei vielen dieser Hilfsorganisationen auf entschiedenen Protest stößt: "Die zivilen Helfer nehmen Reißaus, wenn sie ausländische Militärs sehen", sagt Rupert Neudeck, "das ist die höchste Gefährdung, die wir uns in Afghanistan zuziehen können". Nicht nur Neudeck befürchtet, dass die geplante zusätzliche "Präsenz in der Fläche" die Risiken für humanitäre Helfer, aber auch für die deutschen Soldaten noch erhöhen werde.
Werden am Hindukusch wirklich immer noch deutsche Interessen verteidigt? Wie kann der Krieg beendet werden, ohne die erzielten Fortschritte zu gefährden? Wann werden die deutschen Soldaten zurückkehren? Welche Chance haben verstärkte humanitäre Anstrengungen? Darüber diskutiert Maybrit Illner am Donnerstag - wenn wir schon wissen, was sich die Staaten der Welt für ihr weiteres Engagement in Afghanistan vorgenommen haben - mit ihren Gästen.
Gäste:
Dirk Niebel (FDP), Bundesentwicklungsminister
Claudia Roth (Die Grünen), Parteivorsitzende
Rupert Neudeck, Menschenretter, Chef der NGO "Grünhelme" und Gründer des Komitees "Cap Anamur"
Josef Joffe, Mitherausgeber "DIE ZEIT"
Hans-Ulrich Gack, ZDF-Korrespondent in Afghanistan
Im Interview:
Bill Gates, der reichste Mann der Welt, Microsoft-Gründer, "Bill & Melinda Gates Foundation"