Der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel ist über die ersten Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen von CDU und FDP schwer enttäuscht. Es sei nicht richtig, "die Krise zum Vorwand für das Nichtstun im Arbeitsrecht" zu benutzen, sagte Henkel in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" am 15.10.2009. Eine Liberalisierung des Kündigungsschutzes böte in kleinen Betrieben mit unter 20 Beschäftigten "eine Chance, zu mehr Einstellungen zu kommen".

Henkel stelle "mit großem Schrecken" fest, dass die neue Koalition "anstatt uns wettbewerbsfähiger zu machen und dafür zu sorgen, dass wir neue Arbeitsplätze schaffen, Hartz IV aufstockt", kritisierte er. Niemand wisse, wer diese Maßnahme bezahlen werde. "Wenn wir das Schonvermögen von Hartz-IV-Empfängern mehr schonen, dann geht das automatisch zu Lasten des Vermögens derjenigen, die die Hartz-IV-Empfänger finanzieren", so der frühere Industrie-Chef. Henkel geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen stärker steigen wird als von den Sachverständigen prognostiziert. "Die rechnen schon mit 4,1 Millionen im nächsten Jahr im Durchschnitt, ich rechne mit mehr."

Gegen einschneidende Änderungen beim Kündigungsschutz sprach sich der Vorsitzende des CDU-Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs, aus. Man könne darüber nachdenken, neu eingestellte Arbeitnehmer zwischen Kündigungsschutz und Abfindung wählen zu lassen, sagte Fuchs und fügte hinzu: "Mehr wird auf jeden Fall nicht gemacht." In der Krise ergebe es "überhaupt keinen Sinn, die Menschen zu verunsichern".

Der Enthüllungsjournalist Günter Wallraff griff in der Sendung heftig den anwesenden Düsseldorfer Arbeitgeber-Anwalt Helmut Naujoks an und forderte dessen Ausschluss aus der Rechtsanwaltskammer. Naujoks "operiere jenseits von Recht und Gesetz", sagte Wallraff. Der Anwalt sei "gemeingefährlich". Wallraff widmet sich in seinen unter dem Titel "Aus der schönen neuen Welt - Expedition ins Landesinnere" soeben auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten neuen Reportagen unter anderem den Zuständen in Deutschlands Arbeitswelt. In diesem Zusammenhang hatte er die Methodik des Anwalts persönlich kennen gelernt.

Naujoks hatte dagegen mit seinem Buch "Kündigung von Unkündbaren" Aufsehen erregt, in dem er sich unter anderem rühmt, Arbeitgebern auch bei der Kündigung von Schwangeren, Langzeitkranken, Schwerbehinderten und Betriebsräten behilflich zu sein. Der Anwalt rechtfertigte seine Tätigkeit damit, dass er im Interesse eines "friedvollen Zusammenarbeitens" von Arbeitgebern und Arbeitnehmern arbeite und betonte, dass "Entscheidungen" in Kündigungsschutzverfahren von Richtern getroffen würden. Klar sei dabei, dass Mitarbeiter, die sich an die geltenden Gesetze hielten, natürlich auch den Kündigungsschutz genießen würden.

Christina Frank von der Gewerkschaft Verdi in Stuttgart vernetzt gerade deutschlandweit die Geschädigten von Naujoks. Sie betonte, dass Naujoks seine Fälle oftmals nicht vor Gericht gewinne, sondern dass die Betroffenen am Ende "gesundheitlich kaputt, seelisch zerstört" aufgeben. Ihr Fazit: "Jeder kann in diesem Land gekündigt werden. Wir haben eigentlich gar keinen Kündigungsschutz."