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20. März 2010
 

Maybrit Illner

 
donnerstags, 22.15 Uhr
Rückblick: Maybrit Illner vom 01.10.2009
Mit Buntstift gemalte Streifen rot-rot. Quelle: imago
Kämpft bald ein rot-roter Block gemeinsam im Parlament?

Schreckgespenst Rot-Rot

Kommt das Tabu jetzt vom Tisch?

Juso-Chefin Franziska Drohsel hat für den Erneuerungsparteitag der SPD im November in Dresden Druck von links angekündigt. Sie erwarte vom neuen Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier, dass dieser sich "lebhaft" in die strategische Neuausrichtung der Partei einbringen werde, sagte Drohsel in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" auf die Frage, ob Steinmeier Bündnisse mit der Linkspartei mitorganisieren werde. "Wir sind gespannt, und zum Bundesparteitag haben wir ja auch noch die Möglichkeit, entsprechenden Druck zu organisieren", kündigte die Juso-Chefin an.

 
 
 
Franziska Drohsel. Quelle: ZDF
ZDF
Franziska Drohsel

Drohsel betonte zugleich, dass es bislang keine neue Parteispitze gebe. "Ich würde bei den Personen, die jetzt gerade in der Diskussion sind, noch mal darauf hinweisen: Sie sind noch nicht von den offiziellen Gremien vorgeschlagen worden und letzten Endes ist es der Parteitag, der unseren Parteivorstand wählt", sagte sie. Vorabsprachen im kleinen Kreis führten in der Partei zu "Unmut". Auf die Frage, ob Sigmar Gabriel als neuer Parteivorsitzender ihr Vertrauen hätte, sagte Drohsel, man müsse den "Gesamtvorschlag" für die neue Parteispitze abwarten und fügte hinzu: "Für mich ist entscheidend, dass es einen Vorschlag gibt, in dem sich die Gesamtpartei auch wiederfindet."

Klaus von Dohnanyi. Quelle: ZDF
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Klaus von Dohnanyi

"Verfehlter Wahlkampf"

Der frühere Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) warf seiner Partei einen verfehlten Wahlkampf und wirtschaftliche Inkompetenz vor. Es sei eine "unmögliche" Wahlkampfstrategie gewesen, eine Koalition aus Union und FDP zum "Schreckgespenst" zu machen, sagte Dohnanyi. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) denke sozial und verstehe zudem etwas von Wirtschaft. Das sei "der große Unterschied zu einigen in der SPD, die von der Lage in der Wirtschaft keine Ahnung mehr haben", kritisierte Dohnanyi. Solche Leute hätten "schon Helmut Schmidt in Schwierigkeiten gebracht". Bei im Grundsatz richtigen Entscheidungen der Parteispitze - wie etwa die Hartz-Reformen oder die Einführung der Rente mit 67 - sei die eigentliche Frage: "Wie kann man der Partei klar machen, was notwendig ist."

 
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Rückblick auf "Rot-Rot" - die Achterbahnfahrt der SPD in Sachen "Linke"
Richard David Precht. Quelle: ZDF
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Richard David Precht

Die SPD muss sich nach Ansicht des Philosophen und Bestsellerautors Richard David Precht um den Preis ihres Überlebens von der Agenda 2010 abwenden. Verfolge die Partei weiter eine so genannte Politik der wirtschaftlichen Vernunft, gehe sie "langfristig daran zugrunde", sagte Precht bei Maybrit Illner. "Man kann der Überzeugung sein, dass diese Politik richtig ist. Dann kann man auch in die CDU eintreten oder in die FDP. Aber dann kann man kein Sozialdemokrat sein", stellte Precht ("Wer bin ich und wenn ja, wie viele") fest. Die SPD habe in der Fortsetzung des Agenda-Weges "keine Chance mehr, sondern nur noch in der Erneuerung". Wäre die Partei nicht in die Opposition gewählt worden, "wäre sie restlos zerrieben worden", so Precht.

Jan Fleischhauer. Quelle: ZDF
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Jan Fleischhauer

"Drahtseilakt"

Dies sah auch der "Spiegel"-Parlamentsredakteur Jan Fleischhauer ähnlich. Es sei richtig, dass die SPD nun Opposition sei. Dies verschaffe ihr Zeit zum "Durchatmen". Die Öffnung nach Links sei für die Sozialdemokraten aber nun ein Drahtseilakt. Dies erkenne er klar alleine an der in dieser Sendung geführten Diskussion zwischen Franziska Drohsel und Klaus von Dohnanyi. Was solle ein Wähler von einer Partei halten, wenn er diesen Streit der Flügel höre, so Fleischhauer. Bis zu einem rot-roten Bündnis aus Bundesebene sei es daher noch ein langer Weg.

Ulrich Maurer. Quelle: ZDF
ZDF
Ulrich Maurer

Für den parlamentarischen Geschäftsführer der Linken und ehemaligen SPD-Politiker Ulrich Maurer haben die Wähler am vergangenen Wochenende die SPD zu Recht für nicht glaubwürdig erachtet. Die "Agenda-2010-Politiker" seien mit einem linken Wahlprogramm angetreten, hätten aber im Wahlkampf ständig die Entscheidungen der letzten Jahre verteidigt, dies können "keine Mensch glauben", so Maurer. Er hätte sich gewünschte, dass entweder eine "andere Mannschaft angetreten" wäre oder die alte Truppe öffentlich um Entschuldigung gebet und Besserung gelobt hätte. Auf die Frage, ob ihn in Zukunft der neue Fraktionsvorsitzende der SPD auf mögliche Montagsdemos begleiten würde, sagte Maurer: "Ich halte es für wahrscheinlicher, dass Gabriel mit zur Montagsdemo kommt."

Infobox

Die Gäste:

  • Franziska Drohsel (SPD), JUSO-Vorsitzende
  • Klaus von Dohnanyi (SPD), Befürworter der Hartz-Reformen
  • Ulrich Maurer (Die Linke), parlamentarischer Geschäftsführer, früher Mitglied des SPD-Parteivorstandes
  • Richard D. Precht, Philosoph und Autor u.a. "Wer bin ich und wenn ja, wie viele?"
  • Jan Fleischhauer, Parlamentsredaktion "Spiegel" und Autor u.a. "Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde"

    mehr Infos zu den Gästen
 
 

Sendungsinformationen

Donnerstag, 01.10.2009 22:15 - 23:15 Uhr

VPS 01.10.2009 22:15

Länge: 60 min

Talkshow, Deutschland, 2009

  • 16 zu 9
  • Chat
  • Livestream

Wdh. am 01.10.2009 03:30 Uhr Nachtprogramm
VPS 02.10.2009 03:30