Die Vorsitzende der Freien Union, Gabriele Pauli, will ihr Amt trotz der von parteiinternen Widersachern gegen sie eingereichten Klage behalten. Sie habe die Freie Union gegründet und sei ihre Vorsitzende, sagte Pauli in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". "Es gibt einige, die meinen, dass sie gegen die letzte Wahl vor eineinhalb Wochen angehen müssten. Ich bin aber auch Vorsitzende der davor existierenden Partei. Ich bin immer gewählt worden als Vorsitzende, egal welche Wahl man jetzt zugrunde legt", betonte sie.

Ausdrücklich machte Pauli die etablierten Parteien für einen Teil der Probleme der Freien Union mitverantwortlich. "Die Unruhe bei den etablierten Parteien äußert sich so, dass man auf verschiedenstem Wege versucht, bei uns zu stören", kritisierte die Parteivorsitzende. So sei beim Bundeswahlausschuss, der am Donnerstag die Beschwerde Paulis zur Nichtzulassung ihrer Partei bei der Bundestagswahl abgelehnt hatte, ein korrigierter Formfehler zu stark ins Gewicht gelegt worden. "Das wird sicherlich noch nicht das Ende der Diskussion sein", kündigte Pauli an.

FDP-Generalsekretär versuchte die "Dolchstoß-Legende, die etablierten Parteien wollen keine neuen und so haben" zu relativieren. "Als bayerische Landrätin müsste man so viel Verwaltungserfahrung haben, dass man weiß, welche Unterschriften eine Parteivorsitzende zu leisten hat, damit eine Wahl zulässig ist", betonte Niebel.

Autor und Journalist Wolfgang Herles war sich sicher, dass in diesem Wahlkampf die Parteien die Bürger nicht "bewegen, sondern beruhigen" wollen. Es werde keinen Richtungswettstreit geben, sondern eine Beschwichtigungsstraegie von den großen Volksparteien betrieben. In Wirklichkeit wollten SPD und CDU die Große Koalition fortsetzen. Merkel und Steinmeier seien "zwei Warmduscher, die vorgeben ein Schwimmwettkampf zu veranstalten", sagte Herles.
Einen TÜV für Politiker mahnte der frühere schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette an. Jeder, der in Deutschland für ein politisches Amts antrete, müsste "einen TÜV-Stempel" dafür bekommen, dass er sich um Wählerstimmen bewerben dürfe. Deutschland stehe vor "einer ganz entscheidenden Wahl" und brauche "leistungsfähige Mehrheiten". Die Bürger forderte Marnette auf: "Schauen Sie sich die Politiker an, lassen Sie sich nicht mit irgendwelchen Phrasen abspeisen, bohren Sie nach, gehen Sie zu den Parteiveranstaltungen!"

Das Wahlsystem in Deutschland hat nach Ansicht des Unternehmers "Webfehler". Dazu gehöre unter anderem, dass bei den Wahl-Listen der Parteien nicht nach Leistung, sondern nach Proporz aufgestellt werden. Dies würde er gerne ändern, damit "endlich wieder "fluide Intelligenz in die Politik" käme. Zurzeit "haben wir nämlich nur kristalline", so Marnette.

Thomas Oppermann (SPD), Schatteninnenminister im "Team Steinmeier" verteidigte den "Deutschland Plan" seiner Partei und wehrte sich gegen den Vorwurf des Wahlbetrugs. Dieser Plan sei nicht beliebig, sondern verfolge eine klare Zielsetzung, neue Arbeitsplätze. "Und wir sagen auch, wie wir diese Arbeitsplätze erreichen können", so Oppermann und fügte hinzu: "Wir können die natürlich nicht versprechen." Dies könne niemand, aber man können Wege aufzeigen, wie man sie bekommen könne.
Teil der Sendung war auch ein Schaltgespräch mit dem renommierten Steuerrechtler Paul Kirchhof. Darin forderte er, dass Unternehmen nur auf der Basis der Gegenseitigkeit mit Haushaltsmitteln geholfen werde dürfe. "Auch der Staat ist bei der hohen Verschuldung ein Sanierungsfall", sagte Kirchhof. Deshalb müsse vor dem Geldfluss vereinbart werden, dass das Unternehmen nach erfolgreicher Rettung dem Staat "bei dessen Sanierung" helfe. Dies könne etwa bei Banken durch zinslose Kredite geschehen, Autohersteller könnten Fahrzeuge unentgeltlich zur Verfügung stellen. Zudem müsse vereinbart werden, dass mit staatlichen Geldern "niemals Gewinne, Tantiemen und Boni" bezahlt werden.
In die Politik will der 2005 von der CDU als Schattenfinanzminister berufene und von Gerhard Schröder (SPD) als "Professor aus Heidelberg" verspottete Experte nicht zurück. "Für meine Biographie und auch für mein Lebensalter ist diese Frage abgeschlossen", sagte Kirchhof. Er stehe aber der Politik jederzeit als Berater zur Verfügung. "Ich würde mich immer einsetzen für das Steuerrecht, so dass nicht passiert, was jetzt passiert ist: Die Abgeltungssteuer mit 25 Prozent für Kapitalerträge und 45 Prozent für Arbeitserträge", so der Wissenschaftler. Da habe "die Politik die Übersicht verloren".