Maybrit Illner
Setzen, sechs, Herr Doktor! Ist das Vertrauen zu den Ärzten weg?
Wer stundenlang im Wartezimmer gehockt hat und dann auf einen Arzt stößt, der wenig Zeit hat, kaum zuhört, seine Routineuntersuchung abwickelt und dann "Der Nächste, bitte" schnarrt, ist sauer. Fühlt sich nicht ernst genommen. Würde dem Doktor gern eine auswischen: "Ungenügend, Herr Dokor! Sechs, setzen!"
Das ist das Reizvolle, aber auch Gefährliche an dem Plan, mit dem die AOK, Deutschlands größte Krankenversicherung, am Wochenende an die Öffentlichkeit getreten ist. Sie will ihre 24 Millionen Versicherten bald dazu aufrufen, im Internet Leistung und Service der rund 185.000 niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte zu beurteilen. Eine Art "Ärzte-TÜV"... Andere große Kassen zeigen Interesse an der Idee. Und auch die Politik scheint nicht abgeneigt.
Die Standesorganisation der Mediziner ist hingegen empört. Da werde populistisch Tür und Tor geöffnet für eine Hetzjagd. Kein Patient, kein medizinischer Laie könne die Arbeit eines Arztes wirklich sachlich beurteilen. So werde bloß Misstrauen gesät - dabei sei im Verhältnis von Patient und Arzt nichts wichtiger als Vertrauen...
Vertrauen ist gut. Wäre Kontrolle durch einen solchen "Ärzte-TÜV" besser? Würde die Qualität der medizinischen Versorgung dadurch erhöht? Bekäme der Patient vielleicht eine ehrliche Hilfestellung, welchem Arzt er vertrauen kann? Oder wäre das bloß ein Platz für Häme und Schmähungen, wie das viele am Lehrer-Benotungsportal "Spick-mich" kritisieren? Über diese und andere Fragen diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen.
Gäste:
Elke Ferner (SPD), stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied des SPD-Präsidiums
Frank-Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer,
Werner L. Mang, Schönheitschirurg
Jürgen Graalmann, Stellv. Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes
Ingo Naujoks, Schauspieler, u.a. Hörbuch: "Hypochondrie für Anfänger - Wie schnell wird aus einem Schnupfen eine offene TB?"