Maybrit Illner
Zwischen Programm und Pragmatismus: Was haben Sie mit Deutschland vor, Frau Merkel?
Jetzt ist Angela Merkel schon fast vier Jahre Bundeskanzlerin. Und will in gut 100 Tagen wieder in dieses Amt gewählt werden. Die klare Mehrheit der Deutschen ist mit ihr auch ganz glücklich. Und doch weiß immer noch keiner so recht: Wer ist Angela Merkel? Wofür steht sie? Und wohin will sie dieses Land führen?
"Die Lage war noch nie so ernst", pflegte Konrad Adenauer zu sagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hätte in der derzeitigen Krise alles Recht der Welt, ihren Vorgänger zu zitieren. Aber sie malt nicht schwarz. Sie macht auch nicht auf Optimismus. Sie macht ihren Job. Bringt den Staat als Rettungsengel so entschieden ins Spiel wie keiner ihrer christdemokratischen Vorgänger. Steht in der Opel-Krise gegen ihren Wirtschaftsminister, der das Banner der Marktwirtschaft schwingt. Gilt vielen ihrer Parteifreunde als fast schon gefährlich sozialdemokratisch. Und erklärt dann lässig: "Wir brauchen auch mal den Mut, gegen den Strom zu schwimmen."
Gegen den Strom? Gegen die Prinzipien der Partei? Gegen den Kapitalismus? "Mal bin ich liberal, mal bin ich konservativ, mal bin ich christlich-sozial", hat sie kürzlich gesagt; "und das macht die CDU aus".
Die Bundeskanzlerin, in Mitten der Krise und des Bundestagswahlkampfs, zwischen Programm und Pragmatismus, ist in dieser Woche Gast bei "Maybrit ILLNER". "Was haben Sie mit Deutschland vor, Frau Merkel?" Eine gute Frage. Denn die Kanzlerin agiert nach eigenem Bekunden strikt nach der Maxime: "Erst das Land. Dann die Partei. Dann die Person."
Dem Land stehen schwere Zeiten bevor. Die Wirtschaft liegt danieder, der Export bricht drastisch ein, die Zahl der Insolvenzen steigt dramatisch, die der Bittsteller im Kanzleramt auch. Wie sich die Zahl der Arbeitslosen entwickeln wird ist absehbar. Die Höhe der Staatsverschuldung noch lange nicht.
Und die Union? Manches Missverständnis zwischen Angela Merkel und ihrer Partei tritt in jüngster Zeit deutlicher zutage als zuvor. Merkels Pläne für Bankenverstaatlichung, Aktionärsenteignung und gigantische Schuldenberge haben bei linientreuen Christdemokraten Zweifel gesät, ob der Pragmatismus der Kanzlerin überhaupt irgendwelche Grenzen kennt. Und seit die Kanzlerin den Papst gerügt und die Vertriebenen-Funktionärin Erika Steinbach im Streit mit Polen fallen gelassen hat, befürchten manche Unionsleute, dass die CDU-Chefin sehenden Auges die Stammwähler verprellt. Aber es reicht dann doch, um die Union bei den Europawahlen zur einzigen politischen Kraft zu machen, die noch den Namen Volkspartei verdient.
Was will Angela Merkel? Wie gut regiert sie unser Land? Welchen Plan hat Sie für Deutschland? Und mit wem wird sie ihn umsetzen?
Gast:
Angela Merkel, Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzende
Im Publikum:
Eberhard Hädrich (der gelernte Werkzeugmacher war die letzten 13 Jahre Zeitarbeiter in der Automobilindustrie, ab August arbeitslos)
Stephan Schwär (der Vater einer klassischen Mittelschichtsfamilie klagt gegen zu hohe Sozialversicherungsbeiträge für Familien)
u.a.