Maybrit Illner
Weniger Jobs, weniger Geld: Klassenkampf um Arbeitsplätze?
Die Gewerkschaften bieten am 01. Mai der Weltwirtschaftskrise die Stirn: Sie marschieren mit der trotzigen Forderung nach "Arbeit für alle" auf die Straßen und Plätze der Republik, nach "Vollbeschäftigung bei fairem Lohn!" Ein mutiges Ziel...
Die Realität sieht anders aus: Das Tempo der Arbeitsplatzvernichtung ist rasant: Jeden Monat gehen 50.000 Jobs verloren! Das entspricht "zwei Mal Opel" alle vier Wochen - dort geht es "nur! um 25.000 Stellen... Die katastrophale Entwicklung am Arbeitsmarkt wird verdeckt von der Kurzarbeit, die die Bundesregierung nun noch ausweiten will. Bis Ende März lagen bereits Anträge für insgesamt 1,7 Millionen Kurzarbeiter vor. Immer mehr Betriebe kommen unter Druck, versuchen sich mit Notfallplänen für verschärften Personalabbau auf eine womöglich länger dauernde Krise einzustellen. Selbst im "Musterländle Baden-Württemberg" und beim einst so strahlenden Daimler-Konzern klingeln alle Alarmglocken. 141.000 seiner deutschen Mitarbeiter müssen sich darauf einstellen, künftig am Monatsende wegen Kurzarbeit und Produktionspausen weniger Geld in der Tasche zu haben.
Heißt es bald nicht mehr "Arbeit für alle", sondern Kurzarbeit für alle?
Oder sind die plötzlichen Milliardengewinne der Deutschen Bank schon ein Signal für Aufbruch, für das Ende der Talsohle?
Im Gewerkschaftslager wächst der Argwohn, viele Unternehmen seien als "Trittbrettfahrer der Krise" unterwegs und suchten Gewinnoptimierung auf Kosten der Belegschaft. DGB-Chef Sommer und andere haben lautstark vor Unruhen gewarnt, wenn die Krise die sozialen Ungerechtigkeiten noch vergrößern sollte. Kommen sie schon in dieser Woche? Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) befürchtet bei den Demonstrationen zum Tag der Arbeit die schwersten Krawalle seit Jahren...
"Maybrit ILLNER" beschäftigt sich mit der Zukunft der Arbeit - im Schwerpunkt in der besonders krisengeschüttelten Autoindustrie: Mit Christian Wulff, dessen Land Miteigentümer von VW ist - mit Matthias Wissmann, Präsident der Automobilindustrie - und dem Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Aber es geht um alle Arbeitnehmer. Franziska Drohsel, die Juso-Vorsitzende, glaubt, Deutschland müsse in dieser Krise den Kapitalismus hinter sich lassen. Und Fredmund Malik, der renommierte Unternehmensberater, kritisiert die Manager, deren Arbeit er aus eigener Anschauung kennt. Der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser stellt sich der Frage nach den Parallelen zur Weltwirtschaftskrise von 1929.
Wie können wir die Jobs jetzt retten? Was bringt Kurzarbeit wirklich? Wer hat nach der Krise noch einen Arbeitsplatz? Droht uns ein noch größeres soziales Ungleichgewicht - und ein "Klassenkampf für Arbeitsplätze"? Darüber diskutiert Maybrit Illner mit ihren Gästen.
Gäste:
Christian Wulff (CDU), Ministerpräsident Niedersachsen
Franziska Drohsel (SPD), JUSO-Vorsitzende
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA)
Klaus Franz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel
Fredmund Malik, Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater
Am Pult:
Prof. Werner Abelshauser, Universität Bielefeld, Schwerpunkt: Wirtschafts- und Sozialgeschichte