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18.10.2012 

Titel, Thesen, Transparenz

Was dürfen unsere Politiker?

Wieso verdienen Politiker wie der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück mit Vorträgen so viel Geld? Werden die mit ihren Diäten nicht schon ausreichend bezahlt? Machen solche Nebenverdienste sie bestechlich? Oder ist das völlig in Ordnung? Bei Maybrit Illner diskutierten unter anderem der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, der Fraktionschef der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki sowie die "Urlinke" Jutta Ditfurth. 

Die Äußerungen von FDP-Generalsekretär Patrick Döring über SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück stoßen in den eigenen Reihen auf heftige Kritik. Er habe das Statement Dörings "ziemlich peinlich" gefunden, sagte der Fraktionschef der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki in der ZDF-Sendung "maybrit illner". Döring hatte Steinbrück in der Debatte um Nebentätigkeiten unter anderem eine "knallharte Gewinnermentalität" attestiert.

"Öffentlich entschuldigen"

"Ich weiß nicht, was er geraucht hat, aber für die Vertreter einer liberalen Partei ist es geradezu unerhört, sich darüber zu äußern, dass jemand für seine Tätigkeiten, in die er ja auch seine Persönlichkeit einbringt, Geld bekommt. Das ist wirklich unglaublich", kritisierte Kubicki. Er fände es schön, wenn Döring sich bei Steinbrück "öffentlich entschuldigen" würde, sagte Kubicki.

Wenn Unions- und FDP-Abgeordnete Steinbrück unterstellten, er sei ein Produkt der Finanzindustrie, sei das eine "Unverschämtheit". Es sei "albern" anzunehmen, wer einen bezahlten Vortrag halte, richte sich nach der Meinung des Zuhörenden. Im Übrigen habe Steinbrück die Vorträge in einer Zeit gehalten, in der er nicht Kanzlerkandidat gewesen sei.

"Wir haben eine echte Regelungslücke"

Die SPD hat im Zuge der Diskussion um mehr Abgeordneten-Transparenz Richtlinien gegen die Bestechung von Parlamentariern angemahnt. "Wir haben eine echte Regelungslücke", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Es sei in Deutschland bislang nicht strafbar, wenn "für eine bestimmte Ausübung des Mandates" finanzieller Vorteil gewährt werde. "Der deutsche Bundestag blamiert das ganze Land bis auf die Knochen, weil die Mehrheit von FDP und CDU/CSU sich weigert, die Abgeordneten-Bestechung unter Strafe zu stellen", kritisierte Oppermann. Die Opposition habe dazu drei Gesetzesentwürfe ins Parlament eingebracht.

Die frühere Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth hat die SPD-Bundestagsabgeordneten aufgefordert, ihre Nebeneinkünfte auch ohne Neuregelungen zur Transparenz auf Euro und Cent offenzulegen. "Tun Sie’s doch einfach", appellierte die "Urlinke" bei Maybrit Illner an die Parlamentarier. Niemand hindere Grüne und Sozialdemokraten daran, die Offenlegung für ihre Abgeordneten verpflichtend zu machen. "Der Druck auf die CDU und die FDP wäre gewaltig, wenn sie es denn ernst meinen", sagte Ditfurth.

"Tugend-Terror"

Ihm seine souveräne Bürgen im Bundestag lieber als von staatlichen Gelder abhängige Berufpolitiker, betonte der Verleger Wolfram Weimer. Es er führe zu nichts Gutem, Parlamentarier mit Tugend-Terror und der völligen Offenlegung aller Nebentätigkeiten, ja möglicherweise sogar mit dem Verbot solcher zu verunsichern. Natürlich müsse Bestechung und Korruption bekämpft werden. Doch wenn selbsterklärte "Tugendwächter" inzwischen sogar beispielsweise Hamburger Müllfahrern ein Weihnachtsgeschenk der Anwohner von über 10 Euro missgönnten, dann sei dies ein falscher Trend.
Auch der langjährige Politikbeobachter Heiner Bremer rief zu Mäßigung auf. Derzeit werde alles zu schnell skandalisiert. Man dürfe sich bald nicht mehr wundern, wenn kaum noch ein Mensch "Lust hat sich in die Öffentlichkeit zu begeben". Auch er warnte vor einem Berufspolitiker-Parlament. Steinbrück verteidigte Bremer daher: "Er war gefragt, er hat Sachverstand." Der SPD warf er allerdings Scheinheiligkeit in der Forderung nach Transparenz vor: "Die SPD weiß genau, dass sie es nie erreicht", so der Journalist.

18.10.2012

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Gäste am 18. Oktober

Thomas Oppermann

Thomas Oppermann bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Der SPD-Politiker Thomas Oppermann ist Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Er zeigt sich zuversichtlich, dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück all seine Nebeneinkünfte offenlegen wird. Und er fordert nun schärfere Regeln dafür: "Die Bürger haben einen Anspruch darauf zu wissen, wer die Abgeordneten sind und was sie tun. Es geht nicht um eine Neid-Debatte, sondern darum, mögliche Interessenverflechtungen aufzuzeigen."

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Wolfgang Kubicki ist Fraktionschef der FDP in Schleswig-Holstein - und Anwalt. Er ist der Meinung, dass die Höhe der Nebeneinkünfte niemanden etwas angehen. "Ein jeder Abgeordneter sollte ein zweites berufliches Standbein aufrecht erhalten. Wir wollen doch kein Parlament, in dem nur Leute sitzen, die keine Ahnung mehr vom wirklichen Leben haben", betont Kubicki.

Jutta Ditfurth

Jutta Ditfurth bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Jutta Ditfurth, die Autorin und linke Aktivistin fragt, warum so viele Abgeordnete überhaupt soviel Zeit für Vorträge und Diskussionsrunden haben. Ihre Erfahrung: "Das bedarf guter, ordentlicher Vorbereitung. Und wenn die das machen, vernachlässigen sie natürlich ihre Abgeordnetentätigkeit!"

Heiner Bremer

Heiner Bremer bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Der Fernseh-Moderator, Heiner Bremer, ärgert sich: "Das ist doch eine maßlose Heuchelei, was da gerade passiert. Es muss einen Rest von Privatheit geben. Das Finanzamt darf wissen was ich verdiene, mein Nachbar aber nicht. Ich will weder den gläseren Abgeordneten noch den gläsernen Menschen."

Wolfram Weimer

Wolfram Weimer bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Der Publizist Wolfram Weimer warnt davor, unsere Politiker zu moralisch und kleinlich zu beurteilen. "Wir sollten realistisch sein. In der Politik werden schlaue und gut vernetzte Köpfe gebraucht – und keine Moralapostel und Langeweiler", so Weimer.

Gregor Hackmack

Gregor Hackmack bei Maybrit Illner / Quelle: ZDF

Gregor Hackmack - Mitbegründer der Internetplattform Abgeordnetenwatch - sagt:
"Die Bundesregierung weigert sich, eine UN-Konvention gegen Korruption zu ratifizieren. Damit steht Deutschland auf der gleichen Stufe wie Syrien und der Sudan – das ist skandalös."

Sendetermine


23. Mai 2013 22:15


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